Griechischer Buchclub - Η ΜΕΓΑΛΗ ΧΙΜΑΙΡΑ

Griechischer Buchclub - Η ΜΕΓΑΛΗ ΧΙΜΑΙΡΑ

Unser zweites Treffen war ein intensiver Austausch über den griechischen Klassiker Η μεγάλη Χίμαιρα von Karagatsis.

Bei diesem Buch haben sich die Meinungen tatsächlich geteilt. Einige aus unserem Buchclub empfanden das Buch als zu schwer. Ich selbst habe es jedoch geliebt und kann sagen, dass ich selten so etwas sprachlich Hervorragendes und thematisch Vielschichtiges gelesen habe.

Zugegeben, man muss erst einmal hineinkommen in die Sprache von Karagatsis - gerade, wenn man hier in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Der Roman ist immerhin in den 1930er Jahren geschrieben worden - eine andere Zeit. Aber wenn man erstmal ein paar Seiten gelesen hat und "reingekommen" ist, dann eröffnet sich ein unglaubliche Sprachvielfalt und Schönheit. Die Beschreibungen der griechischen Inseln, des Meeres, der Sonne, der Natur und der Menschen sind einmalig.

Das alles sehen wir mit den Augen der jungen Marina, einer Normannin, die sich in den griechischen Schiffskapitän Jannis verliebt und mit ihm nach Griechenland zieht, denn nichts verbindet sie mehr mit ihrem Heimatort Rouen. Nur Verlust und Traumata.
Schon immer hatte Marina eine besondere Verbindung zu Griechenland verspürt, schließlich hat sie Altgriechisch studiert. Sie spricht diese alte Sprache, kennt die  Philosophen und hat schon immer von diesem sagenumwobenen Land geträumt. So ist es nicht verwunderlich, dass anfangs alles wie ein Traum erscheint und sie in dieses Griechenland ihrer Träume mit Leidenschaft eintauchen will.

Doch die Realität und das Schicksal halten eine andere Geschichte bereit.

Niemand spricht mehr Altgriechisch in Griechenland. Sie muss also Neugriechisch lernen, um eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen. Das gelingt jedoch nicht immer, denn zu ihrer Schwiegermutter hat sie eine schwierige Beziehung, da sie sie immer nur als Fremde sehen wird. Hinzu kommt die Einsamkeit als Frau eines Seemanns. Und da wäre auch noch ihr Schwager Minas - eine geistige und körperliche Anziehung, die nicht sein darf. Dies alles sind Herausforderungen, die sie kaum ertragen und mit denen sie kaum umgehen kann - sie verkriecht sich immer mehr in ihre eigene Gedankenwelt und hadert mit ihrem Schicksal.
Und wäre das alles nicht schon genug für eine junge Frau - ist da noch das Göttliche.

Wie in einer antiken Tragödie, gibt es für die Figuren des Romans kein Entkommen, denn die Natur, die Götter, das Schicksal machen ihre eigene Rechnung mit den Menschen. Selbstbestimmung ist und bleibt nur ein Traum. Insbesondere in der Welt der Seemannsfamilien. Dieses Leid wird Marina als junge Mutter kennenlernen und es wird sie an ihre Grenzen bringen. Der Zerfall der jungen schönen Frau sowie der gesamten Familie ist unumgänglich.

 

Karagatsis war seiner Zeit sicherlich voraus, als er diesen Roman geschrieben hat. Eine Frau, die auf der Suche nicht nur nach persönlicher und familiärer, sondern vor allen Dingen auch sexuellen Erfüllung ist, passte nicht zu der Zeit.

Doch der Roman Η μεγάλη χίμαιρα ist zeitlos - und auch heute noch ein Buch, das man gelesen haben sollte. Denn es behandelt grundsätzlich Fragen des Menschseins, die universell sind und immer noch unbeantwortet.    

Der Titel des Buches passt umso mehr. "Ximaira" bedeutet das Unerreichbare, einen Traum, der nie Realität werden kann.

 

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